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Salzgitter-Zeitung - 08.07.2004 - Leserbrief

Presse soll mehr graben

Zum Europawahlergebnis:

Der Gleichklang von Politik und Kommentar bei der Beschreibung von Gründen verblüfft. Protest und Denkzettel für Berlin, womit sich alles wieder in die überörtliche Tagesordnung einreiht. Schließlich waren diese Gründe überall ausschlaggebend. Nur was die - gemessen am Landesdurchschnitt - sechsfach höherer Stimmenzahl für die Republikaner bedeuten könnte, da gräbt die Salzgitter-Zeitung tiefer.

Aber Fakt ist auch, dass nicht nur sehr viel weniger Menschen in unserer Heimatstadt zur Wahl gingen und nicht nur die SPD, sondern auch die CDU kräftig Dresche bekommen haben. Die Verluste beider liegen unter Bundes- und Landesergebnis. Alles zusammen gesehen hat es eine salzgittersche Variante oder Note gegeben. Und dann sollte die Bitterkeit nicht im Blick auf Berlin allein beschränkt werden.

Wenn die Akzeptanz von Politik ein Vermittlungsproblem ist, dann muss man sich fragen, wer vermittelt denn we was? Wer muss mit den Bürgern und Bürgerinnen reden? Herr Schröder oder Frau Merkel? Geht das nur so? Oder sind da nicht die Parteigänger vor Ort gefragt? Dazu noch eine Presse, die keine Gelegenheit auslässt, eben diese Bürger in ihren Fragen zu unterstützen und auch einmal bei einem Thema nicht locker lässt und die mauernden Offiziellen des Rathauses in den Schwitzkasten nimmt.

Kann es nicht sein, dass die salzgittersche Note der EU-Wahl mitgeprägt wurde durch das jämmerliche Spiel, das Rat und Verwaltung zum Beispiel mit der Bürgerinitiative Krankenhaus betrieben hat? Meines Erachtens ist es konkret diese Art und Weise des Umgangs mit 20 000 Bürgern, die Frust und Aversion gegen Politik steigern.

An dieser Stelle sollte die Presse etwas mehr graben. Wünschenswert sind Berichte, die nicht die Aussagen der Beteiligten wiedergeben, sondern solche, bei denen man journalistisches Engagement bei der Suche nach Zusammenhängen und authentischer Sachlage verspürt. So viel sollten die 20000 Bürger und potentiellen Leser der hiesigen Zeitung schon wert sein.

Eckbert Buchholz, 38259 Salzgitter

 

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