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Achtung:
Frankenwaldklinik in Kronach - Rhön Klinikum AG Neustadt/Saale
Neue Presse Kronach - 12.08.2006 -
je
Betriebsrat: Vertrauen der Mitarbeiter missbraucht
Vorwürfe gegen
Inhaber / Zahl der Kündigungen bei 69
KRONACH - Die im Oktober
vergangenen Jahres privatisierte Frankenwaldklinik kommt aus den negativen
Schlagzeilen nicht heraus. Erst sorgte der neue Inhaber, die Phon-Klinikum AG in
Bad Neustadt/Saale, durch Massenentlassungen und teils massive Gehaltskürzungen
in den „patientenfernen Bereichen" für jede Menge Wirbel in der Einrichtung an
der Friesener Straße, dann protestierten die im Kreis niedergelassenen Haus- und
Fachärzte gegen das von den neuen Klinikinhabern geplante Medizinische
Versorgungszentrum (MVZ). Und nun geht der Betriebsrat der Frankenwaldklinik,
der noch im Herbst vergangenen Jahres den Verkauf des ehemaligen
Kreiskrankenhauses an die Rhön-Klinikum AG fast euphorisch als
„Befreiungsschlag" begrüßt hatte, unüberhörbar auf Konfrontationskurs zum Bad
Neustadter Klinikkonzern,
„Nicht ganz koscher"
Im Betriebratsdossier 32/06,
einem vor allem an die Klinikbeschäftigten gerichteten Rundschreiben, setzt sich
der Betriebsrat kritisch mit der Auswahl der gekündigten Mitarbeiter und der
Anwendung des Sozialfonds durch die Geschäftsführung auseinander. Wörtlich heißt
es: „Dass die Umsetzung des Sozialplanes nicht ganz koscher ist, scheint auch
niemand zu interessieren und ist letztlich auch nicht verwunderlich: Nachdem der
Landkreis beim Verkauf der Klinik über den Tisch gezogen wurde, sind jetzt wohl
die Beschäftigten dran."
Noch im Oktober vergangenen Jahres habe der stellvertretende
Vorstandsvorsitzende der Rhön-Klinikum AG, Gerald Meder, mehrfach versichert,
dass es an der Frankenwaldklinik keine betriebsbedingten Kündigungen geben und
sich niemand nach der Übernahme schlechter stellen werde, erinnert der
Betriebsrat im Rundbrief an die Mitarbeiter und kommt zu dem ernüchternden
Fazit: „Von den vollmundigen Versprechungen sind nur inhaltsleere Sprechblasen
übrig geblieben. Die Rhön-Klinikum AG hat das Vertrauen der Belegschaft
missbraucht und verhöhnt jetzt das Personal mit willkürlichen Auswahlverfahren
beim Personalabbau."
Die Personalvertretung räumt in ihrem namentlich nicht gekennzeichneten Dossier
durchaus ein, dass Personalanpassungen in manchen Bereichen sinnvoll seien.
Schließlich sei die Frankenwaldklinik auch durch die Personalpolitik und das
Fehlmanagement von ProCura an den Rand der Insolvenz gedrückt worden.
Allerdings könne der Betriebsrat den dabei von der Geschäftsführung
eingeschlagenen Weg in keinster Weise nachvollziehen. Der Betriebsrat warf eine
ganze Reihe von Fragen auf: „Warum aber werden Auflösungsverträge (wenn diese
von Beschäftigten gewünscht werden) nicht geschlossen und in gleichem Atemzug
andere Beschäftigte gekündigt ? Warum werden Punkte nach dem Sozialplan
willkürlich vergeben, obwohl Mitarbeiter selbst zugeben, sie seien zu hoch
bepunktet worden ? Warum werden manche Mitarbeiter nicht in den Vergleich bei
der Sozialauswahl einbezogen ? Warum werden Menschen gekündigt und gleichzeitig
Fremdfirmen engagiert, diese Arbeiten übernehmen ?"
Zudem hält der Betriebsrat der Geschäftsführung vor, kontinuierlich die Regeln
des Arbeitsrechts zu missachten und dabei selbst vor den Rechten
Schwerbehinderter im Betrieb nicht Halt zu machen. Auch äußert die
Mitarbeitervertretung ihr Unverständnis, dass Personal entlassen und
gleichzeitig die „Restbeschäftigten" Mehrarbeit und vermehrt Überstunden leisten
sollen.
Die Ausführungen des Betriebsrates enden mit dem bitteren Satz: „Bis all diese
Fragen geklärt sind, zählen wir brav die wachsende Zahl an Spinnweben, die sich
bilden, weil niemand mehr da ist, der sich mit Leib und Seele dieser Klinik
verbunden fühlt."
Inzwischen wurde auch bekannt, dass sich die Zahl der Entlassungen an der
Frankenwaldklinik nochmals um fünf auch jetzt 69 erhöht hat. Das bestätigte am
Freitag Betriebsratsvorsitzender Manfred Burdich. Auch diesen fünf
nachgereichten Kündigungen werde der Betriebsrat widersprechen, weil hier die
Sozialauswahl fehlerhaft sei, so Burdich.
Etwa 20 Klagen gegen Entlassung
Am Mittwoch dieser Woche
hatten der Betriebsrat und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di die
entlassenen und noch von der Entlassung bedrohten Mitarbeiter der
Frankenwaldklinik nebst Partnern zu einem Informationsgespräch ins BRK-Heim
eingeladen. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Würzburg erläuterte dabei
Grundsätzliches zu Kündigungen und Arbeitsgerichtsprozessen.
Bei der Zusammenkunft wurde deutlich, dass mindestens 20 Beschäftigte mit
Unterstützung durch den gewerkschaftlichen Rechtsschutz gegen ihre Kündigungen
vor dem Arbeitsgericht klagen werden. Acht Klagen seien dort bereits anhängig,
hieß es. Durch Gekündigte mit privater Rechtsschutzversicherung könnte sich die
Zahl der Klagen durchaus auch auf 30 erhöhen, so ein Insider. je
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