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Salzgitter-Zeitung - 22.09.2006 - Peter Gamauf
Klinikum Es geht um Jobs
50 Arbeitsplätze sind am Klinikum Salzgitter in Gefahr, sagt die
Gewerkschaft. Die Klinik-Geschäftsführung sucht mit Verdi nach
sozialverträglichen Lösungen. Die Politik war nicht informiert worden.
"Eher resignativ als kämpferisch"
Keine Neuigkeiten auf der Betriebsversammlung -
Verdi: Den Menschen wieder Hoffnung machen
SALZGITTER. Eine "eher resignative als kämpferische Stimmung" machte ein
Besucher auf der gestrigen Betriebsversammlung des Klinikums Salzgitter aus - in
der Aula der Realschule Salzgitter-Bad ging es unter anderem auch um die
möglichen personellen Veränderungen am Klinikum.
Die SZ berichtete: Laut Gewerkschaft Verdi sind bis zu 50 Arbeitsplätze in
Gefahr - betroffen sind Küchen- und Reinigungskräfte. Es ist möglich, dass die
Arbeiten an andere Dienstleister vergeben werden. Zu erwartende Mehrbelastungen
durch den Gesetzgeber werden für die Pläne geltend gemacht. Man arbeite in
Gesprächen mit Betriebsrat und Gewerkschaft an "sozialverträglichen Lösungen",
hatte Klinikum-Geschäftsführer Ronald Gudath erklärt. Zahlen nannte er nicht.
Nach Aussage von Beschäftigten erfuhren die Teilnehmer der Betriebsversammlung
von Seiten der Geschäftsführung nichts Neues. "Ich bin total verunsichert,
fürchte um meinen Arbeitsplatz", sagte eine Frau gegenüber der
Salzgitter-Zeitung. Sie hatte den "Eindruck, dass nur Zahlen wichtig sind und
der Mensch nicht zählt." Eine andere Frau meinte: "Wenn schon ausgelagert werden
muss, sollte wenigstens das Personal übernommen werden."
Verdi-Gewerkschaftssekretär Jens Havemann wartet weiter auf "Fakten, Daten,
Zahlen", um künftige Entscheidungen auf eine sichere Grundlage zu stellen.
Konkret: "Wir wollen wissen, was auswärtige Anbieter verlangen würden, und ob
eine konzerninterne Tochtergesellschaft, die jene Serviceleistungen erbringt,
die zur Debatte stehen, eine Alternative ist." Klarheit erhofft sich Havemann
bis zum 9. Oktober - dann wird wieder verhandelt.
"Wir erwarten, dass wir bis dahin etwas in der Hand haben, was den Beschäftigten
wieder Hoffnung macht", so Havemann im Gespräch mit der Salzgitter-Zeitung
weiter. "Ich möchte, dass der Konzern seine Hausaufgaben macht und dass Konzepte
erarbeitet werden, mit denen wir die Arbeitsplätze erhalten können."
Havemann verwies darauf, dass die Mitarbeiter die Klinikum GmbH ausgehend von
großen Verlusten in die Gewinnzone gebracht hätten. "Dass die Beschäftigten
trotzdem mit negativen Nachrichten konfrontiert werden, das ist das Kernproblem,
das im Moment innerhalb der gesamten Belegschaft zu Resignation führt", sagt
Havemann. Das seien die Auswirkungen der Gesundheitsreform, die nicht nur für
dieses aktuelle Problem gesorgt hätten.
STIMMEN DER POLITIK
Oberbürgermeister Helmut Knebel:
"Ich appelliere an Geschäftsführung und Betriebsrat, alle Chancen zum Erhalt von
Arbeitsplätzen zu nutzen. Rat und Verwaltung waren sich bei ihrer von breiter
Mehrheit getragenen Entscheidung beim Verkauf des Klinikums ihrer Verantwortung
für die Mitarbeiter und Mitarbeiteirinnen bewusst. Es hat auch einen engen
Dialog mit Gewerkschaft und Betriebsrat gegeben. Aus rechtlichen Gründen darf
ich keine Details nennen, aber der Kaufvertrag beinhaltet zahlreiche
Möglichkeiten für eine einvernehmliche Lösung. Oberstes Ziel muss der Erhalt der
Arbeitsplätze sein. Trotz ständiger Kontakte mit der Geschäftsführung der
Klinikum GmbH hat es keine Hinweise auf diese Entwicklung gegeben. Auch
Stadtkämmerer Ekkehard Grunwald als Mitglied des Aufsichtsrates lagen keine
Informationen vor. Dieser Stil wirkt zwischen Stadt und Klinikum GmbH nicht
vertrauensbildend."
Wolfgang Schneider,
SPD-Ratsfraktionsvorsitzender: "Wir werden mit der Gewerkschaft und dem
Betriebsrat sprechen, es muss Thema im Aufsichtsrat werden. Unsere
Einflussmöglichkeiten sind begrenzt, aber ich erwarte, dass die Sicherung der
Arbeitsplätze gewährleistet wird. Es kann nicht sein, dass das Klinikum seiner
sozialen Verantwortung gegenüber der Belegschaft nicht gerecht wird."
Rolf Stratmann,
CDU-Ratsfraktionsvorsitzender: "Die Meldung hat mich überrascht, da wir
erst kürzlich von der positiven Jahresbilanz der Salzgitter Klinikum GmbH
Kenntnis genommen haben. Eine konkrete Einflussmöglichkeit hat die Stadt nicht
mehr. Aber sie sollte im Aufsichtsrat darauf hinzuwirken versuchen, dass ein
Personalabbau nicht stattfindet. Wenn ein Abbau nötig und unerlässlich sein
sollte, müssen sozialverträgliche Lösungen gesucht werden. Wir werden uns weiter
informieren. Der damalige Verkauf war eine Vernunftentscheidung - auch für die
Mitarbeiter im Hause, die alle übernommen wurden."
Dr. Hans-H. Andresen,
FDP-Ratsfraktionsvorsitzender: "Ich gehe davon aus, dass wir als kleiner
Anteilseigner nicht auf das operative Geschäft einwirken können. Wir haben noch
Informationsbedarf, können und wollen nicht in laufende Verhandlungen
eingreifen. Selbstverständlich würden wir es bedauern, wenn weitere
Arbeitsplätze in Salzgitter verloren gingen. Wir haben als FDP für den Verkauf
gestimmt, weil er wirtschaftlich notwendig war."
Reinhard Steinhoff,
MBS-Fraktionsvorsitzender: "Ich halte es für dringend erforderlich, dass
der Vertreter der Stadt im Aufsichtsrat auf die Einberufung einer Sondersitzung
dieses Gremiums dringt, um den Rat entsprechend informieren zu können. Es ist
bedauerlich, dass wir als MBS über die laufende Tätigkeit im Klinikum nicht
informiert werden. Die MBS hat als einzige Fraktion gegen den Verkauf des
Klinikums gestimmt. Es war nicht anders zu erwarten, dass der neue Eigentümer
die Kosten minimieren möchte. Wenn bei den sächlichen Kosten die Grenze erreicht
ist, geht es ans Personal."
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