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Salzgitter-Zeitung - 13.10.2006 - Ingar Benke
Ärzte mit Plakaten und Trillerpfeifen
Mediziner des Klinikums verleihen ihren Forderungen
nach eigenem Tarifvertrag Nachdruck
SALZGITTER. "Rhön an den Verhandlungstisch" - Die Plakate, die rund 60 Ärzte
des Klinikums Salzgitter gestern in ihrer Mittagspause hochhielten, waren
eindeutig. Die Angestellten der privaten Klinik fordern ihre Arbeitgeber auf,
die Tarifgespräche mit dem Marburger Bund aufzunehmen.
Vor den Klinik-Standorten in Salzgitter-Bad und Lebenstedt machten sie in ihrer
"aktiven Mittagspause" mit Trillerpfeifen auf sich aufmerksam und verteilten
Handzettel an die Passanten.
Das Ziel: ein arztspezifischer Tarifvertrag, der ein neues Vergütungssystem und
die Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes beinhaltet. Bereitschaftsdienste würden
dann als Arbeitszeit gerechnet.
Erst im Januar dieses Jahres war ein Haustarifvertrag zwischen dem Arbeitgeber
und der Gewerkschaft Verdi abgeschlossen worden, mit dem ein Großteil der 95
Ärzte am Klinikum Salzgitter nicht einverstanden ist. Dr. Wolfgang Wilmsmeyer,
Oberarzt der Anästhesie in Lebenstedt: "Der Marburger Bund ist unsere anerkannte
Gewerkschaft. Wir wollen, dass die uns vertreten, nicht Verdi."
Der gültige Haustarifvertrag entspreche nicht den Tarifverträgen der Länder und
des Bundes, so Wilmsmeyer. "Wir fordern einen Vertrag, der sich an deren
Entlohnung orientiert."
Verdi teilte in einer Pressemitteilung mit, dass der gesonderte Ärztetarif "mit
großer Sorge" beobachtet würde. Verdi befürchte, dass mögliche Verbesserungen
für die Ärzte zu Lasten anderer Beschäftigter gehen würden. Die
Verdi-Tarifkommission forderte gestern die Geschäftsführung auf, keine
Umverteilung zu Lasten anderer vorzunehmen.
Die Klinikleitung teilte der Salzgitter-Zeitung mit, dass es
Gesprächsbereitschaft gebe. In der Mitteilung heißt es: "Mit dem Marburger Bund
gibt es Gespräche auf der lokalen Ebene in Salzgitter. Beabsichtigt sind auch
Gespräche auf Konzernebene." Außerdem heißt es aber, dass der gültige
Haustarifvertrag eine rechtsverbindliche Laufzeit bis mindestens zum 31.
Dezember 2007 besitze.
Dr. Wigand Wucherpfennig, Oberarzt am Standort Salzgitter-Bad, war mit der
"aktiven Mittagspause" zufrieden: "Wir haben den Forderungen Nachdruck verliehen
und positive Reaktionen von den Passanten bekommen."
Der Sicherheitsbetrieb des Krankenhauses wurde von der Aktion zwischen 12 und 13
Uhr nicht gestört. Dr. Wolfgang Wilmsmeyer: "Nur was wirklich warten konnte,
wurde auf Eis gelegt. Durch die Aktion kam niemand zu Schaden."
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