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Salzgitter-Zeitung - 10.11.2006 - Peter Gamauf
"Soziale Härten der Mitarbeiter abmildern"
Arbeitsplätze in Gefahr: Klinikleitung nimmt
Stellung - OB Frank Klingebiel kritisiert Informationspolitik
SALZGITTER. Bis zu 90 Mitarbeiter stehen nach Angaben von
Verdi-Gewerkschaftssekretär Jens Havemann am Klinikum Salzgitter vor der
Entlassung. Die Salzgitter-Zeitung berichtete: Angeblich sollen außer Küchen-
und Reinigungsarbeiten noch weitere Servicebereiche an auswärtige Dienstleister
vergeben werden - wie Bettenzentrale, Pflege der Außenanlagen, Fahr- und
Hausmeisterdienste.
In einer schriftlichen Stellungnahme nannte die Klinikleitung dazu gestern weder
Zahlen noch einen genauen Zeitrahmen. Gemeinsam mit dem Betriebsrat und Verdi
versuche sie jedoch, "soziale Härten der betroffenen Mitarbeiter im Rahmen der
Möglichkeiten des Klinikums abzumildern." Dies gelte insbesondere für jene, "für
die voraussichtlich in 2007 kein weiteres Anstellungsverhältnis mehr möglich
sein wird." Abschließende Ergebnisse blieben Gesprächen mit Verdi, Betriebsrat
und Dienstleistern vorbehalten. Sie verliefen in "geordneten und strukturierten
Bahnen".
Die Klinikleitung - sie war gestern telefonisch nicht zu erreichen - macht die
Entwicklung im Gesundheitswesen und den 2007 daraus resultierenden verstärkten
wirtschaftlichen Druck dafür verantwortlich, dass auch in Salzgitter
"Umstrukturierungen und Prozessoptimierungen in den Wirtschafts- und
Versorgungsdiensten unausweichlich" seien. Die Mehrwertsteuererhöhung entziehe
beträchtliche Mittel.
Einer Analyse zufolge entstünden im Klinikum Salzgitter im Branchenvergleich
"überhöhte Kosten im Wirtschafts- und Versorgungsdienst", heißt es. Seit
September habe man deshalb "mit namhaften deutschen Dienstleistern" gesprochen.
Ziele einer Zusammenarbeit seien Verbesserung der Wirtschaftlichkeit,
Qualitätssteigerungen und Optimierungen im Ablauf.
Sämtliche Dienstleister, die kontaktiert worden seien, wendeten Tarifverträge
an, die mit deutschen Gewerkschaften geschlossen seien. Sie hätten angeboten,
"engagierte und motivierte Mitarbeiter des Klinikums" zu beschäftigen. Sowohl in
Lebenstedt als auch in Salzgitter-Bad werde weiterhin gereinigt, würden
Außenanlagen gepflegt sowie für Material- und sonstige Transporte gesorgt.
Entsprechende Arbeitskräfte würden benötigt - allerdings in einer anderen,
jedoch auch branchenüblichen Organisationsform.
Oberbürgermeister Frank Klingebiel zeigte sich über die
Informationspolitik der Geschäftsführung der Klinikum GmbH irritiert. "Bei einem
derart sensiblen Thema erwarte ich selbstverständlich eine frühzeitige und
vollständige Information", sagte er. Nach seinem Kenntnisstand sei die Stadt als
Gesellschafterin nun schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen über die
Möglichkeit von Personalabbau oder Arbeitsplatzauslagerung nicht angemessen
unterrichtet worden. "Über diese Informationspolitik wird in der nächsten
Sitzung des Aufsichtsrates in aller Deutlichkeit zu reden sein", so Klingebiel.
Die Stadt hält nach dem Verkauf der Klinik an den Rhön-Konzern noch rund fünf
Prozent der Anteile. Aktuelles Mitglied des Aufsichtsrats ist Frank Klingebiel.
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