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Salzgitter-Zeitung - 11.11.2006 - Peter Gamauf

Informationspolitik ist schwerfällig und desolat

Arbeitsplätze am Klinikum in Gefahr: Eine Angelegenheit, die alle Salzgitteraner angeht

Das Klinikum Salzgitter wird sich in vier Jahren nach dem Um- und Neubau in medizinischer Hinsicht noch moderner und leistungsfähiger präsentieren. Und schlanker, wie es im Wirtschafts-Deutsch heißt, besonders im Servicebereich.
 
Standen nach Gewerkschaftsangaben im September noch 50 Arbeitsplätze in der Küche und im Reinigungsbereich auf der Kippe, fürchteten nun bis zu 40 weitere Mitarbeiter ihre Entlassung. Auswärtige Anbieter kochen preiswerter, putzen billiger, fahren zu niedrigeren Preisen.
 
Die Klinikleitung bestätigt derartige Zahlen nicht, aber sie dementiert sie auch nicht. Solche konkreten Fragen werden nicht beantwortet - es darf gerätselt und mit Recht bezweifelt werden, dass die vage Formulierung aus dem September noch gilt, dass nicht auszuschließen sei, dass "der eine oder andere Arbeitsplatz wegfallen wird". Die medizinische und pflegerische Leistungskraft des Klinikums erfreut sich unbestritten hoher Wertschätzung. Aber was sonst noch an einem Krankenhaus geschieht, dem die Menschen ihr wertvollstes Gut, ihre Gesundheit, anvertrauen - das interessiert nicht nur jene, deren Arbeitsplatz bedroht ist, sondern alle Salzgitteraner.

Doch die Informationspolitik des Rhön-Konzerns ist in diesen Wochen schwerfällig und im wesentlichen desolat. Wie viele Arbeitsplätze sieht die Klinikleitung gefährdet? Welche Modelle werden diskutiert, um Arbeitsplätze zu retten? Wie hoch ist der Spareffekt, wenn die genannten Aufgaben an auswärtige Dienstleister vergeben werden? Was wird unternommen, um die Übernahme von Beschäftigten zu regeln?

Derartige Fragen möchte unter anderem auch die Stadt Salzgitter beantwortet haben - der ehemalige Krankenhausbesitzer hält immer noch fünf Prozent der Anteile, hat einen Sitz im Aufsichtsrat. Vor allem wird den neuen Oberbürgermeister Frank Klingebiel interessieren, warum man im Rathaus erst aus der Zeitung etwas über die neuesten Entwicklungen erfährt - hier übrigens über den Umweg der Gewerkschaft.
 
Dass im Zuge von laufenden Verhandlungen die Öffentlichkeit nicht lückenlos über Details informiert wird, kann im Einzelfall akzeptiert werden. Wenn es jedoch richtig ist, dass die Klinikleitung in derart wichtigen Fragen einen Anteilseigner inzwischen zum zweiten Mal ignoriert hat, dann ist das schlechter Stil, der Vertrauen zerstört.

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