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Salzgitter-Zeitung - 23.11.2006 - Cornelia Steiner
Ärzte fürchten um ihre Existenz
Niedergelassene Mediziner fühlen sich von
Krankenhäusern bedroht, die Versorgungszentren einrichten
BRAUNSCHWEIG. Müssen niedergelassene Ärzte Angst haben, dass ihnen
Krankenhäuser ihre Existenzgrundlage entziehen? Diese Frage war gestern Abend
Thema einer Fachtagung der Kassenärztlichen Vereinigung Braunschweig.
Immer mehr Mediziner schließen sich in Versorgungszentren zusammen -
bundesweit gab es Ende 2005 mehr als 340 solcher Einrichtungen. Auch
Krankenhäuser haben seit der Gesundheitsreform 2004 die Möglichkeit, ein
Versorgungszentrum zu gründen. Das soll den Wettbewerb unter Ärzten fördern, und
sie zum wirtschaftlichen Arbeiten anreizen. Viele niedergelassene Ärzte stehen
dem kritisch gegenüber: Sie befürchten, dass sie Patienten an die Zentren
verlieren.
"Wir brauchen die Kooperation zwischen Klinikum und niedergelassenen Ärzten, um
auf beiden Seiten die Kosten zu senken", sagte Joachim Kröger vom Klinikum
Wolfenbüttel. Das Krankenhaus plant ein angegliedertes Ärztezentrum. "Die
Zusammenarbeit ist dann positiv, wenn sich beide Partner jeweils auf ihre
Kernkompetenzen beschränken. Außerdem gilt der Grundsatz: ambulant vor
stationär", erläutert Kröger.
Die Vorteile einer Kooperation zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen
Ärzten waren in der Diskussion unumstritten: zum Beispiel weniger Kosten durch
gemeinsames Nutzen von Geräten und mehr Patienten. Die Harzkliniken wollen diese
Vorteile nutzen - seit einem halben Jahr ist die Radiologie komplett
privatisiert, aber eng an das Krankenhaus angebunden. "Die Patienten haben
dadurch weniger Ansprechpartner und kürzere Wege", sagte Ingolf Senking,
Geschäftsführer des Radiologie-Zentrums Nordharz.
Auf den Zwang zur Zusammenarbeit verwies Oliver Marschal, Vorsitzender des
Fachärztevereins. "Wer im Wettbewerb bestehen will, muss kooperieren. Zentren
haben mehr Zukunft als Einzelpraxen", sagte er. Der Wolfsburger Mediziner Rolf
Otto forderte seine Kollegen auf, sich selbstbewusst an Krankenhäuser zu wenden:
"Bietet eure Leistung an und entlastet die Krankenhäuser." Wichtig sei, dass die
Kliniken einen Teil des dann eingesparten Geldes an die Ärzte weitergeben.
"Ich sehe dennoch die Gefahr, dass die niedergelassenen Ärzte zwischen den
Krankenhäusern zerrieben werden", sagte Thorsten Kleinschmidt, Sprecher der
Kassenärztlichen Vereinigung. "Aber ich glaube daran, dass sich die medizinisch
guten Konzepte durchsetzen."

Wie können niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser besser zusammenarbeiten?
Darüber diskutierten: (von links) Heinz-Otto Nagorny (Asklepios Harzkliniken),
Ingolf Senking (Radiologie-Zentrum Nordharz), Thomas Bartkiewicz (Städtisches
Klinikum Braunschweig), Thorsten Kleinschmidt (Kassenärztliche Vereinigung
Braunschweig), Katrin Teschner (Redakteurin unserer Zeitung), Karl Ulrich Petry
(Klinikum Wolfsburg), Rolf Otto (Gesundheitsverbund Wolfsburg), Jacob Bijkerk
(Sana-Kliniken) und Oliver Marschal (Fachärzteverein Bezirk Braunschweig). Foto:
Rudolf Flentje
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