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Salzgitter-Zeitung - 27.12.2006 - Peter Gamauf

Einigung im Klinikum Salzgitter: 90 Entlassungen sind vom Tisch

Jeder betroffene Mitarbeiter bekommt ein Stellenangebot des neuen Dienstleisters und eine Abfindung

SALZGITTER. Zu der von der Gewerkschaft befürchteten Entlassung einer Vielzahl von Mitarbeitern am Klinikum Salzgitter wird es nicht kommen: Das ergaben die Verhandlungen der Gewerkschaft Verdi mit der Klinikleitung.

Alle Beschäftigten, deren Tätigkeitsfelder ausgelagert werden, erhalten zum 1. Januar Angebote des neuen Dienstleisters.
 
Die SZ berichtete: Es ging um bis zu 90 Arbeitsplätze in Servicebereichen wie Küche, Reinigung, Müllentsorgung, Bettenaufbereitung und Pflege der Außenanlagen. Der Rhön-Konzern machte wirtschaftliche Gründe für die Auslagerung verantwortlich.

"Damit haben wir unser Hauptziel, die Menschen in Arbeit zu halten, erreicht", sagte Gewerkschaftssekretär Jens Havemann. Die Kündigung habe denjenigen gedroht, die sich nicht für den Auflösungsvertrag und die folgende Übernahme seitens des Dienstleisters entschieden hätten. Letzterer werde im Verlauf des nächsten Jahres eine Tochtergesellschaft der Rhön Klinikum AG.
 
Bildunterschrift: Die weihnachtliche Ruhe täuscht: Hinter den Fassaden des Klinikums Salzgitter in Lebenstedt brodelt es ganz gewaltig.
Foto: Ingo Kugenbuch

Die Geschäftsleitung des Klinikums bewertet die Ergebnisse der Verhandlungen als "zufriedenstellend". Einerseits könne so trotz des Drucks der Gesundheitsreform und der Mehrwertsteuererhöhung "ein Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des Klinikums erreicht werden", anderseits sei die Einigung auch eine für die Mitarbeiter sozialverträgliche Lösung, da jedem eine Anschlussbeschäftigung durch den Dienstleister angeboten werden konnte.

Wer zum Dienstleister wechsle - laut Geschäftsführung betrifft das nahezu alle Mitarbeiter -, müsse allerdings mit Gehaltseinbußen rechnen, sagte Havemann. Laut Sozialplan erhalten allerdings alle Betroffenen Abfindungen, unabhängig davon, wie sie sich entscheiden. Wichtig aus Sicht von Havemann: Die wöchentliche Arbeitszeit werde beibehalten - Vollzeitbeschäftigte behielten ihren Status. "Außerdem haben wir Sicherungen eingebaut, damit Menschen in der Probezeit nicht grundlos entlassen werden können", so der Gewerkschaftssekretär.

Eine Ausnahme bilde die Küche, denn im Klinikum Salzgitter werde nach aktueller Planung künftig nicht mehr gekocht. Köche, Beiköche und Diätassistenten bekämen zum 1. Juli 2007 ein Angebot eines Dienstleisters. Dieses Angebot wird nach den Worten von Havemann wahrscheinlich nicht der derzeitigen Qualifikation der Küchenkräfte entsprechen. Mögliche Folge: Weniger Gehalt. "Sie bekommen eine höhere Abfindung", sagte Havemann.

Unterschiede gebe es bei der Sterilgutversorgung: Nur die examinierten Kräfte würden vom Klinikum weiter beschäftigt. Unklar sei die Zukunft der Rezeption. Innerhalb des nächsten halben Jahres solle ein Konzept erarbeitet werden.

"Unsäglich und katastrophal" findet Havemann allerdings den Zeitdruck, unter dem die Beschäftigten standen. Denn: Das Klinikum habe am Datum 1. Januar festgehalten. Nach Ende der Verhandlungen und der folgenden Einzelgespräche hätten die Betroffenen bis zum 22. Dezember nur zwei Tage Zeit gehabt, sich zu entscheiden.

Die Klinikum-Geschäftsführung begründet diesen engen Zeitplan gegenüber der SZ mit dem "Druck des Gesetzgebers aufgrund der Gesundheitsreform 2007, Mehrwertsteuererhöhung 2007 etc.".

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