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Salzgitter Zeitung - 12.12.2007 - Klaus Karich
Krankenhaus seit 50 Jahren Baustelle
Räumliche Verhältnisse entsprechen nicht modernen
Anforderungen - Für Erweiterungen kein Geld
LEBENSTEDT. Wäre es nach der Interessengemeinschaft für Handel und Handwerk
Gebhardshagen gegangen, würde das Lebenstedter Krankenhaus heute in
Gebhardshagen stehen. Am 12. Oktober 1951 hatte die Gruppe in der Braunschweiger
Zeitung, Ausgabe Watenstedt-Salzgitter, im Zuge der Diskussion um den Standort
eines neuen Hauses eine Erklärung veröffentlicht, in der es heißt: "Der Standort
Lebenstedt werde von den Kennern des Stadtgebietes für absurd gehalten. Die
Umgebung des als Bauplatz vorgesehenen Geländes werde für Jahrzehnte hinaus
trostlos und kahl bleiben."
Die Gebhardshagener setzten sich jedoch nicht durch. Die Klinik entstand im
Stadtkern Lebenstedts, von reichlich Grün umgeben. Mit einer Festveranstaltung
wird heute ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert.
Die Diskussion um einen Krankenhausneubau in Lebenstedt basierte auf der
Verwirklichung des Absatzes Nr. 5 der für die Entwicklung der Stadt nach dem
Kriege bedeutenden Drucksache 1220 des 1. Deutschen Bundestages, mit der der
Stadt eine "kommunale Erstausstattung" zugesagt wurde. Damit begannen 1951 die
Planungen für das Krankenhaus. Die Stadt hatte einen Architektenwettbewerb
ausgeschrieben, den der in Lebenstedt ansässige Dr. Aladar Rimner gewann.
Sparbau löst Provisorien im Gesundheitswesen ab
Nach fast fünfjähriger Planungs- und ebenso langer Bauzeit übergab der
damalige Niedersächsische Sozialminister Dr. Rudolph der Stadt Salzgitter am 11.
Oktober 1957 den fertigen Bau. 10,8 Millionen D-Mark kostete das Haus. Es war
ein Sparbau, mit dem einige Provisorien im Gesundheitswesen der Stadt abgelöst
wurden. So gab es bis zu diesem Zeitpunkt lediglich in Salzgitter-Bad mit dem
Elisabeth-Krankenhaus eine intakte Klinik sowie zwei Hilfskrankenhäuser in
Watenstedt und Salzgitter-Bad (Lager 10).
Nach starker Beschädigung des Watenstedter Hauses errichteten die damaligen
Reichswerke neben der Hauptverwaltung Drütte ein Unfallkrankenhaus und in Barum
ein Hilfskrankenhaus. 1945 richtete die Stadt in einem Wohnblock der Dutzumer
Straße in Lebenstedt ein Krankenhaus ein, und in den folgenden Jahren wurden
einige von der UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration)
eingerichtete Schwerpunkthäuser (alles in Baracken) übernommen.
Mit der Fertigstellung des Leben-stedter Hauses wurde gleichzeitig eine 50 Jahre
währende Baustelle eröffnet. Denn es zeigte sich schnell, dass die räumlichen
Verhältnisse den Anforderungen eines modernen Hauses nicht genügten. Anfangs
verfügte das Haus über 425 Betten, überwiegend in 6-Bett-Zimmern. Die sanitären
Anlagen befanden sich auf den Fluren. Der Umbau in Dreibettzimmer mit Nasszellen
hat Jahre gedauert, weil die Stadt für alle baulichen Maßnahmen von den
Krankenhaus-Sanierungsplänen des Landes abhängig war.
1965 wurde die Klinik um eine Isolierpflegestation und ein Schwesternwohnheim
erweitert. Das Kinderkrankenhaus wurde schon bald zum Sanierungsfall, der nicht
gelöst werden konnte. Alle Versuche, die Kinderklinik zu vergrößern, scheiterten
an fehlenden Mitteln.
Medizinisch stets einen guten Ruf gehabt
Innerhalb des Haupthauses wurden eine Geburtshilflich-Gynäkologische
Abteilung, eine Verlegung und Erneuerung des Kreißsaales, eine Erneuerung des
Eingangsbereichs, der Ausbau des Labors, die Modernisierung der Operationsräume
und der Krankenzimmer, eine neue Röntgenanlage für drei Millionen Mark und
vieles mehr notwendig. Die Apotheke und die Wäscherei mussten mehrfach erweitert
werden. Die Baustelle Krankenhaus wird erst mit dem geplanten Abbruch des Hauses
erledigt sein.
Medizinisch hatte das Lebenstedter Haus stets einen guten Ruf. Weit über die
Grenzen der Stadt hinaus bekannt geworden ist es durch die Einrichtung der
Abteilung Neonatologie für zu früh geborene oder kranke Kinder. Dazu war schon
1980 ein Notarztwagen für die Behandlung und den Transport der Kinder
angeschafft worden. Rund um die Uhr fuhren der Chefarzt oder seine Mitarbeiter
bei Notfällen in die Häuser, versorgten die Problemkinder an Ort und Stelle oder
holten sie mit einem Transport-Inkubator zur Behandlung nach Lebenstedt.
Die Krankenhäuser in Goslar, Bad Gandersheim und Salzgitter-Bad und neuerdings
auch Wolfenbüttel nehmen die Dienste der Abteilung in Anspruch.
SPLITTER
Ultraschall: Als eine der ersten Krankenanstalten der Bundesrepublik
stellte die Geburtshilflich-Gynäkologische Klinik des Lebenstedter Hauses im
Februar 1971 ein Ultraschallgerät namens "Vidoson" vor, mit dem erstmals die
Frucht im Mutterleib sichtbar gemacht werden konnte. Inzwischen sind
Ultraschallgeräte Standard. 1971 war der damalige Chefarzt, Dr. Rolf Alex,
mächtig stolz, dass er als einer der ersten über dieses Gerät verfügte. Mehrere
Zeitungen des Bundesgebietes berichten über die neue Errungenschaft Salzgitters.
Kunstwerke: "Kunst im Krankenhaus" ist eine Aktion von Bürgern, die vor
einigen Jahren begannen, die Flure des Krankenhauses mit Bildern auszustatten,
um für die Patienten den Aufenthalt angenehmer zu machen. Mehr als 20
Ausstellungen haben inzwischen stattgefunden. Die Initiatoren der Aktion, vier
Frauen, haben von den Künstlern schon zahlreiche Exponate als Dauerleihgaben
erhalten, die die Wände im Haus schmücken.
Zweites Krankenhaus: Am 12. April 1966 wurde in Salzgitter-Bad das zweite
Krankenhaus der Stadt Salzgitter mit 350 Betten eröffnet. Auch dessen Architekt
war Aladar Rimner aus Leben-stedt. Danach wurden die beiden
Barackenkrankenhäuser in Salzgitter-Bad (Lager 10) und Drütte geschlossen.
Chronik der Klinik in Lebenstedt
1952: Grundsteinlegung
15.10.1957: Inbetriebnahme
1.4.1958: Eröffnung der Schule für Krankenpflege und Kinderkrankenpflege
1959: Ausbau der Kinderklinik
8.10.1965: Inbetriebnahme des vierten Schwesternwohnheims
1966: Anschluss an Fernwärmeversorgung
1967: Baubeginn Isolier- und Infektionsstation
1970: Eröffnung Intensivpflegeeinheit mit 6 Betten
1974: Eröffnung der neuen chirurgischen Ambulanz
1976: Umzug der Verwaltung in ehemaliges Schwesternhaus zur Raumbeschaffung für
Funktionsbereiche
1979: Einführung Notarztwagensystem
1985: Einrichtung neue Intensivstation
1989/90: Umbau Frühgeborenenstation
1991 bis 2001: Sanierung wesentlicher Kernelemente
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