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Salzgitter Zeitung - 26.09.2008 - Christan Kerl
130000 fordern mehr Geld für Kliniken
Großdemonstration für Verbesserungen - Schmidt lehnt
mehr Hilfen ab
BERLIN. Die Wut auf die Regierenden ist offensichtlich groß in
deutschen Kliniken: "Ullas Politik sorgt für kranke Häuser" haben die
Demonstranten auf ihre Transparente geschrieben oder "Der Wahnsinn allein ist
eure Politik".
In
langen Reihen marschiert der Protestzug gestern Mittag durchs Regierungsviertel
zum Brandenburger Tor - Ärzte in weißen Kitteln sind dabei, OP-Schwestern im
Arbeits-Grün, Hebammen, Pfleger und Klinikmanager. "Wir haben die Schnauze
voll", tönt es aus Megaphonen.
Über 130 000 Krankenhausmitarbeiter sind es am Ende, die mit dem Protestzug mehr
Geld für die Krankenhäuser fordern - mehrere tausend Demonstranten kommen aus
unsere Region, allein aus Braunschweig einige hundert. Das Ausmaß der seit
Jahren größten Kundgebung gegen die Gesundheitspolitik überrascht selbst die
Veranstalter, ein Aktionsbündnis aus Gewerkschaften, Kliniken, Kommunen und
Verbänden.
Bild: Lautstarker Protest gegen die Arbeitsbedingungen in
Krankenhäusern. Gestern gab es in Berlin eine Großdemonstration. Foto: Clemens
Bilan/ddp
"Es ist ein Skandal, wenn Krankenhäuser baulich herunterkommen und die
Medizintechnik veraltet", sagt der Präsident der Deutschen
Krankenhausgesellschaft, Rudolf Kösters. Die Kliniken drohten unter dem
ökonomischen Würgegriff zu ersticken, die Personalkürzungen seien dramatisch.
Ändere die Politik den Kurs nicht, komme es zu Kliniksterben, Rationierung und
Wartelisten.
Damit nähmen die Risiken auch für die Patienten zu, warnte Verdi-Chef Frank
Bsirske. Am Vortag hatte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) eine
Finanzspritze für die Krankenhäuser über rund 3Milliarden Euro vom Kabinett
absegnen lassen. Eine Mogelpackung, klagt Kösters. Den Kliniken fehlten 6,7
Milliarden Euro, auch wegen der Tarifsteigerungen.
Aber Gesundheitsministerin Ulla Schmidt winkte erneut ab. Mehr Geld sei nicht
drin, der Zuschuss werde die Lage der Kliniken verbessern. Rückendeckung erhielt
Schmidt vom Bundesverband der Verbraucherzentralen: 2100 Krankenhäuser mit 50000
Betten seien zu viel, meinte Verbandschef Gerd Billen.
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