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Salzgitter Zeitung - 25.10.2008 - Peter Gamauf
Fleisch soll frisch auf den Teller
Am Klinikum wird wieder mehr gekocht - Neuer
Betreiber soll Technik meistern - Viel mehr Auswahl bei Menüs
SALZGITTER. "Wir wollen, dass es den Patienten schmeckt und dass sich
möglichst wenige über das Essen beschweren." Das sagt Martin Menger,
Geschäftsführer im Klinikum. Ein neuer Betreiber, seit Anfang Oktober im Dienst,
soll die Technik in den Griff bekommen, mehr selbst kochen und das Menü-Angebot
erheblich erweitern.
Zurzeit werden noch 90 Prozent aller Speisen vorgefertigt bei überregionalen
Anbietern gekauft und dann fertig gegart. Das System wurde Mitte 2007 für 700
000 Euro angeschafft. Weil aber in diesem Prozess die Temperatur nicht immer
stimmte, gab es Beschwerden. Das Essen sei oft zu kalt, kritisieren Patienten -
die SZ berichtete.
Das soll
anders werden. "Der neue Betreiber verfügt über die nötige Erfahrung, diese
Technik zu beherrschen", versichert Menger. Werner Gläser, Geschäftsführer der
neuen RK-Cateringgesellschaft Mitte mbH, nickt und sagt: "Ich gehöre zu jenen,
die die Induktionstechnik, mit der Speisen gegart werden, entwickelt haben."
Gläsers Truppe arbeite erfolgreich - nach Menger an zehn Kliniken des
Rhön-Konzerns.
Foto: Auf der Speisekarte der Klinik steht Schellfisch: Küchenchefin
Christin Nebel und Betriebsleiter Jaques Renz bereiten das Essen vor.
Archivfoto: Peter Gamauf
Von der zweiten Novemberwoche an soll am Klinikum wieder mehr selbst gekocht
werden. Zu zäh und im Geschmack zu einheitlich: So seien teilweise
Fleischgerichte kritisiert worden, sagt Gläser, und verspricht: "Fleisch soll
frisch gebraten auf die Teller kommen". Fertiggerichte hätten immer den gleichen
Grundgeschmack, individuelle Rezepturen sollten für einen variationsreicheren
Mix sorgen. "Wir wollen bis Anfang 2009 den Anteil frisch hergestellter Gerichte
auf mindestens 50 Prozent steigern", blickt Gläser voraus. Das Personal werde
entsprechend geschult.
Von Mitte nächsten Jahres an wartet auf die Patienten des Klinikums Salzgitter
eine weitere Neuerung. Das Angebot werde dann einem "A-la-Carte-Essen"
gleichkommen, das, wie Gläser sagt, "die Zufriedenheit noch einmal steigern
wird". In Zahlen heißt das: Patienten sollen jeden Tag unter anderem zwischen 5
Suppen, 3 Vorspeisen, 12 Hauptgerichten und 7 Desserts wählen können. Zurzeit
gibt es am Klinikum täglich drei Menüs.
Zwar hatte das Klinikum im Juni dieses Jahres eine Umfrage präsentiert, nach der
die Patienten dem Essen die Gesamtnote 1,8 gegeben hatten. "Gleichwohl gab es
vereinzelt weiter Kritik am Essen", sagt Menger. Deshalb sei er "nicht unbedingt
traurig" darüber gewesen, dass der ehemalige Betreiber zu erkennen gegeben habe,
sich künftig auf sein eigentliches Kerngeschäft, die Reinigungsbranche,
konzentrieren zu wollen. Mangelnde Erfahrung im Umgang mit der Gar-Technik, aber
auch wirtschaftliche Gründe seien für seine Entscheidung ausschlaggebend
gewesen.
Die Schwierigkeiten, die es in der ersten Phase nach Einführung des Gar-Systems
gegeben habe, seien geringer geworden, sagt Menger. Nun müsse für Stabilität
gesorgt werden. "Ich möchte nichts schönreden", sagt der Geschäftsführer, doch
ungeachtet von Veränderungen werde es immer Beschwerden geben. "Essen ist nun
mal ein hoch sensibler Bereich". Was den Einsatz moderner Technik angehe, gehöre
Salzgitter nicht zu den Exoten, sagt Menger. Nur noch rund 30 Prozent aller
Kliniken verfügten über eine eigene Küche. Auch sie kombinierten ihr Angebot mit
im Gar-Verfahren fertiggestellten Speisen.
Patienten, die sich über zu kaltes Brot beklagen, sollten allerdings wissen,
dass dessen Temperatur gesetzlichen Vorschriften für eine
Gemeinschaftsverpflegung entspricht. Gelagert werden müsse es bei 6 Grad, wenn
es auf der Station ankomme, sei es vielleicht 8 Grad warm. Menger weiß: "Das
empfindet der Mensch als eiskalt." Und wer oder was ist für zu harte Möhren in
Suppen verantwortlich, die ein SZ-Leser im September kritisierte? "Hier", räumt
Gläser ein, "ist offensichtlich jemand doch an der Technik gescheitert."
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