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Salzgitter Zeitung - 18.04.2009 - Luitgard
Heissenberg
Gefäßzentrum sucht beste Therapie
Rhön-Kliniken Salzgitter und Hildesheim sowie
niedergelassene Ärzte arbeiten zusammen
LEBENSTEDT. Die Menschen werden immer älter, und in Salzgitter liegt der
Anteil alter Menschen an der Bevölkerung weit über dem Durchschnitt. Das
Rhön-Klinikum in Lebenstedt richtet sich auf diesen Patientenkreis mit einem
Gefäßzentrum ein.
"Unsere Patienten sind die Älteren", sagt Dr.Kai Röttger, Leiter der
Gefäßchirurgie am Rhön-Klinikum Hildesheim. Beide Krankenhäuser haben sich 2006
zum Gefäßzentrum zusammengeschlossen und außerdem niedergelassene Fachärzte mit
ins Boot geholt. Doch nicht nur Gefäßchirurgen machen mit, auch Angiologen
(Gefäßmediziner) und Radiologen (Röntgenärzte).
Was bringt das dem Patienten? Sein Fall wird in einer Videokonferenz von Ärzten
verschiedener Fachrichtungen besprochen. "Jeder sagt, wie er behandeln würde.
Manchmal ist sofortiges Handeln, eine Operation, das Beste. Manchmal ist eine
andere Lösung sinnvoller", erläutert Gefäßchirurg Dr. Andreas Wurlitzer
(Salzgitter). Jedes Behandlungsergebnis wird in der Qualität kontrolliert.
2000
Gefäß-Patienten werden jährlich stationär in beiden Kliniken behandelt, noch
einmal so viele bei den niedergelassenen Ärzten. Es werden immer mehr. Gründe
dafür nennt Angiologe Dr. Andreas Strauss (Salzgitter): steigende
Lebenserwartung, Übergewicht, Rauchen - und der medizinische Fortschritt. Früher
wurden Diabetiker und Nierenkranke, die oft an Gefäßerkrankungen leiden, nicht
alt. "Wir wollen weniger schwere Eingriffe und die Liegedauer verringern", nennt
der Hildesheimer Radiologe Dr. Jörg Werhand Ziele.
"Hier ist das erste Interdisziplinäre Gefäßzentrum mit zwei Standorten in
Niedersachsen entstanden", sagt Ronald Gudath, Geschäftsführer des Klinikums
Salzgitter. Das Zertifikat haben nach gemeinsamer Prüfung die deutschen
Gesellschaften für Gefäßchirurgie, Röntgen und Angiologie ausgestellt.
Bei der Vorstellung des Zentrums sind nicht nur beide Kliniken vertreten,
sondern mit dem Salzgitteraner Gefäßchirurgen Dr.Roland Janßen auch ein
niedergelassener Arzt. Er lobt das Konzept: "Die Patienten profitieren." Das
Gefäßzentrum kooperiert außerdem bereits mit Dialysezentren und Diabetologischen
Schwerpunktpraxen. Andere Fach- sowie Hausärzte sind bei den Fallgesprächen
willkommen. Das Internet soll die Teilnahme bald jedem behandelnden Arzt
ermöglichen.
Wer sich an einer Behandlung beteiligt, erhält einen Anteil der Kostenerstattung
durch die Krankenkasse. Die Ärzte im Gefäßzentrum geben zu, dass die
Zusammenarbeit umständlich ist, mehr Zeit kostet. "Doch der Patient erhält die
bestmögliche Therapie", sagt Wurlitzer.
STICHWORT
Gefäßerkrankungen
Häufigste Erkrankung: Verengungen und Verschlüsse der Adern, die zu
Durchblutungsstörungen von Muskeln, Gehirn oder Herz führen
Ursache: meistens Arteriosklerose (im Volksmund: Arterienverkalkung).
Zunächst lagern sich Fette, später Kalk in die Arterienwand ein.
Risikofaktoren: Bluthochdruck, hohes Cholesterin, Nikotin, hoher
Blutzucker (Diabetes mellitus).
Konservative Therapie: Gehtraining und Gefäßsport
Leichte Eingriffe: Dehnen der Verengung durch einen Ballon, Einsetzen
eines Stents (innere Gefäßwandstütze)
Gefäßoperationen: Bypass (Umleitung), Atherektomie (Ausschälen),
Patchplastik (Flicken einsetzen).
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