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Salzgitter Zeitung - 13.05.2009 - Luitgard
Heissenberg
Schnelle Hilfe für das Herz
Erster Linksherzkatheter-Messplatz Salzgitters steht
in Bad - 812000 Euro investiert
SALZGITTER-BAD. Nach einem Herzinfarkt zählt jede Sekunde. Innerhalb
weniger Minuten können Patienten in unserer Stadt jetzt behandelt werden: Im
Klinikum Bad ist Salzgitters erster Linksherzkatheter-Messplatz in Betrieb
gegangen. 812000 Euro hat die Eigentümerin RhönAG investiert, so Ronald Gudath,
Geschäftsführer vor Ort.
Die
private Klinik-Betreiberin pflegt den internen Austausch: Der Chefarzt der
Kardiologie in Hildesheim, Dr.Jürgen Tebbenjohanns, arbeitet seinen Kollegen in
Salzgitter-Bad, Dr.Andreas Strauss, derzeit am Messplatz ein. Auch die
Pflegekräfte werden geschult. 15Einsätze haben sie bereits absolviert.
Bild: Schwester Gabriela Neugebauer-Kässmann (von links), der Chefarzt
der Medizinischen Klinik Salzgitter-Bad, Andreas Strauss, und sein Hildesheimer
Kollege Jürgen Tebbenjohanns behandeln einen Patienten auf dem
Linksherzkatheter-Messplatz. Über ihm ist das Röntgengerät. Foto: Bernward Comes
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Todesursache Nummer eins. Kardiologe
Tebbenjohanns erläutert, wie das neue Gerät eingesetzt wird:
Der Patient wird bei örtlicher Betäubung in steriler Umgebung untersucht. In
seine Arterien wird Kontrastmittel gespritzt, Röntgenaufnahmen machen es
sichtbar.
Untersucht werden Herzkranzgefäße, also Adern, die das Herz mit Blut versorgen.
Sie können sich durch Arteriosklerose (im Volksmund Gefäßverkalkung) verengen
oder verschließen. Fließt kein Blut mehr, kommt es zum Herzinfarkt.
In der Untersuchung wird festgestellt, wo es Verengungen gibt, wie groß sie
sind, ob andere Schäden wie Herzklappenfehler vorliegen. Der Arzt entscheidet,
ob:
-blutverdünnende Medikamente ausreichen;
-ein Bypass (eine neue Arterie aus einer eigenen Vene oder Kunststoff) zur
Umgehung der Verstopfung eingesetzt werden muss. Diese Operation muss in
Herzzentren wie Braunschweig oder Hannover erfolgen;
- die Verengung mit einem winzigen Ballon gedehnt werden kann.
Die Ballondehnung folgt sofort. Durch einen Einstich in die Leiste wird ein
Draht mit dem Ballon in die Arterie geführt. An Ort und Stelle drückt der Ballon
die Verengung mit 12 bis 14Bar Druck (zum Vergleich: In einem Autoreifen liegt
der Druck bei 2bar) auseinander. Weil sich die Ader meist wieder verengt, wird
in sie oft ein Stent eingesetzt. Das ist ein Metallgeflecht, das die Arterie von
innen abstützt.
Inklusive Vorbereitung des Patienten dauert die Untersuchung mit Eingriff
üblicherweise eine Stunde. Drei bis vier Tage später kann der Patient die Klinik
verlassen, nach einem Infarkt nach einer Woche.
"Das Gerät heißt Linksherzkatheter-Messplatz", erklärt Tebbenjohanns, "weil
überwiegend die linke Herzkammer, die mehr Pumparbeit bewältigen muss, erkrankt.
Aber auch die rechte Kammer kann untersucht werden."
Wenn der Klinikumneubau in Lebenstedt 2010 in Betrieb geht und das Krankenhaus
Bad geschlossen wird, soll der Messplatz nach Lebenstedt umziehen.
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