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Salzgitter Zeitung - 13.08.2009 - Peter Gamauf

Erst Notfälle behandeln, dann kassieren

Krankenhaus-Geschäftsleitung und Chefarzt nehmen zu Beschwerden Stellung

LEBENSTEDT. Warum werde ich im Klinikum nicht so behandelt, wie ich das erwarte? Und: Warum sollte ich für meine Mutter zuerst 10 Euro bezahlen und die Versichertenkarte vorlegen, obwohl sie keine Luft mehr bekam, als ich mit ihr ankam? Mit diesen Fragen einer Leserin aus Heerte konfrontierte die SZ die Klinikleitung.

Mutter und Tochter hatten - im Abstand von einem Jahr - das gleiche Problem. Die Mutter (78) wurde zwei Mal ambulant operiert, jedes Mal übernahm die Klinik die Nachsorge. "Nach einer dritten OP wurde uns erklärt, dass das Klinikum nicht mehr für die Nachsorge zuständig sei. Man habe einen neuen Chef, und die Nachsorge würde nicht mehr honoriert", berichtet die 52-jährige Tochter, "wir sollten zu einem niedergelassenen Arzt gehen. Sind die Preise für Verbandsmaterial jetzt zu hoch für das Klinikum?"

Das war im April dieses Jahres. Einen Monat später kam die Tochter mit ihrem Zehennagel-Problem in die chirurgische Ambulanz des Klinikums. "Nun hat man mir gesagt, dass der neue Chef angeordnet habe, dass solche Fälle an externe Chirurgen verwiesen werden sollten. Wozu gibt es denn eine chirurgische Ambulanz am Krankenhaus? Wenn man mir gesagt hätte, dass es so viele schwere Fälle am Krankenhaus gibt, hätte ich es akzeptiert. Aber so fühlte ich mich weggeschickt, irgendwie verraten." Und sie fragt sich, ob es ihr als Privatpatient auch so ergangen wäre.

Es sei nicht möglich gewesen, die Vorgänge bis ins Detail zurückzuverfolgen, sagt Klinikum-Geschäftsführer Ronald Gudath. "Aber vorausgesetzt, es ist so gewesen, dann ist hier eindeutig in der Kommunikation etwas schief gelaufen." Die Frau habe den Eindruck gehabt, sie sei nicht erwünscht. "Das ist falsch", sagt er. Allerdings hätte man ihr auch im vernünftigen Ton vermitteln sollen, dass sie mit ihren Anliegen bei niedergelassenen Ärzten genau so gut aufgehoben ist.

Philosophie des Klinikums sei es, genau diese Zusammenarbeit zu verstärken. Intern sei über das Problem gesprochen worden, "damit sich Patienten nicht wieder ähnlich vor den Kopf gestoßen fühlen."

Grundsätzlich gelte, dass der Gesetzgeber in Ausnahmefällen zulasse, dass ambulante Patienten auch von Kliniken versorgt würden.

> Bei Notfällen
>Im Fall einer ärztlichen Unterversorgung in der Region
>Wenn es um hochspezielle Leistungen geht

Dies sei nicht der Fall gewesen. "Wir können nicht mehr nachvollziehen, ob im Zusammenhang mit der Nachsorge die Bemerkung mit dem Honorar so gefallen ist", sagt Gudath, "wenn ja, dann war es eine Fehlinformation. Es geht nicht um Geld, wir hätten das honoriert bekommen."


Chirurgie-Chefarzt Dr. Dietmar Loitz ergänzt: "Auch ein Privatpatient wäre nicht anders behandelt worden, was den Verweis an einen niedergelassenen Arzt angeht."

 

Er habe sich vor gut einem Jahr ereignet, sagt die Leserin. Ihre Mutter habe damals einen allergischen Schock erlitten, Atemprobleme seien die Folge gewesen. "Man hätte uns doch erst auf die Station schicken können, und ich hätte hinterher bezahlen können", kritisiert sie.

"Wenn es so war, dann tut es mir leid", sagt Ronald Gudath, "möglicherweise wurde in diesem Moment nicht erkannt, dass es sich um einen Notfall handelt." Man habe mit dem Aufnahmepersonal gesprochen, "und wir haben die Mitarbeiter noch einmal sensibilisiert, damit so etwas nicht wieder vorkommt." In einem derartigen Fall müsse die Reihenfolge in der Tat eine andere sein.

Warum die Aufnahmeprozedur gleichwohl wichtig ist, verdeutlicht der Chefarzt: "Wir haben dann Zugriff auf schon vorhandene Daten des Patienten. Sie können uns im aktuellen Fall rasch weiterhelfen."

Können die Mitarbeiter aus solchen Fällen lernen? Ja, sagt Loitz. Er spricht sich dafür aus, damit offen umzugehen. "Konstruktive Kritik ist wichtig. Sie kann helfen, die Qualität am Klinikum weiter zu sichern."

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