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Salzgitter Zeitung - 28.11.2009 - Peter Gamauf
Notarztwagen bleibt Bad erhalten
Gesundheitswoche im Klinikum: 80 Zuhörer bei
Diskussion - Geschäftsführer geht auf Arbeitskreis zu
LEBENSTEDT. "Wir fühlen uns auch verantwortlich für die Menschen im Süden
der Stadt": Das sagte Martin Menger, Geschäftsführer am Klinikum, das mit dem
Neubau in Lebenstedt aus zwei Krankenhaus-Standorten einen einzigen macht.
Menger bekräftigte diesen Standpunkt während einer Podiumsdiskussion der SZ im
Rahmen der Gesundheitswoche der Klinik. Was hat das Krankenhaus künftig zu
bieten? Was geschieht in Bad? Etwa 80 Zuhörer wollten das wissen.
Bild:
Auf dem Podium in der Klinik: Von links Fridwald Wellershoff, Heribert
Pietschmann, Martin Menger, Luitgard Heissenberg, Dr. Matthias K. Wiemer, Dr.
Manfred Oberreuther und Marc Tovote. Foto: Bernward Comes
Rund 60 Millionen Euro werden im Norden investiert. Das Haus im Süden werde mit
fünf Millionen Euro saniert, so Menger. Hier entstehe ein Gesundheitscampus mit
Facharztpraxen. Man sei ferner im Gespräch mit Apothekern, dem Roten Kreuz und
Rehabilitationseinrichtungen, ergänzte der Technische Leiter des Klinikums, Marc
Tovote. Vielleicht werde das Gesundheitsamt ständig hier angesiedelt. "Der
Notarztwagen bleibt Bad erhalten" versicherte der Ärztliche Direktor Dr.
Matthias K. Wiemer.
Auch das Hospiz bleibt im Gebäude. Das Klinikum sei der Initiative sehr
entgegengekommen, sagte Heribert Pietschmann, Vorsitzender der Hospizinitiative.
Der Traum vom eigenen Haus bleibe aber bestehen.
Fallen nach der Zusammenlegung Arbeitsplätze weg? Das fragte Moderatorin
Luitgard Heissenberg, Redaktionsleiterin der SZ. Doppelbesetzungen seien in
bestimmten Abteilungen entbehrlich, sagte Menger. Von etwa 50 betroffenen
Vollzeitkräften würden allerdings nur 10 bis 20, vornehmlich jungen
Mitarbeitern, betriebsbedingt gekündigt. Für andere werde die Arbeit reduziert,
weitere versuche man an Nachbarkliniken zu vermitteln.
Das aktuelle Angebot werde künftig in den Bereichen Unfallchirurgie, Neurologie
und Orthopädie erweitert, sagte Matthias K. Wiemer. Im neuen Klinikum siedeln
sich Fachärzte an. "Die Zukunft der Medizin besteht in der Verzahnung des
ambulanten und des stationären Bereichs", so Wiemer. Zwischen Fachärzten
entstehe eine Medizin der kurzen Wege. "Und wenn ein stationärer Aufenthalt
nötig wird, ist das Krankenhaus nur drei Schritte entfernt." Dr. Manfred
Oberreuther, Mitglied einer orthopädischen Praxis, die eng mit dem Klinikum
zusammenarbeitet, bestätigte das. "In zehn Jahren wird es nur noch
Facharztzentren geben."
Skeptische Töne streute Fridwald Wellershoff vom Arbeitskreis Bürgerbegehren
ein. Der Arbeitskreis hatte einst rund 20 000 Unterschriften gegen die
Schließung des Hauses in Bad gesammelt. Viel Beton habe er im Norden gesehen,
sagte Wellershoff, aber würden auch genügend Ärzte und Pflegekräfte hier sein?
Um das Vertrauen wieder herzustellen, müsse das Klinikum mehr tun als in der
Vergangenheit. "Ich glaube nicht, dass das so schnell funktioniert", so
Wellershoff, der davon sprach, dass in anderen Einrichtungen eine "andere
Einstellung" gegenüber den Menschen bestehe.
Es sei eine sehr subjektive Meinung, "dass anderswo mit mehr Wärme gearbeitet"
werde, antwortete ihm Martin Menger. "Unsere Ärzte und Pflegekräfte werden das
tun, was die Patienten von ihnen erwarten." Menger bot Wellershoff an, gemeinsam
in der Bevölkerung Vertrauen zu schaffen. Wellershoff gegenüber der SZ: "Wir
werden miteinander reden."
Zeichen für Vertrauen sieht Menger auch in Zahlen: "Wir haben in den vergangenen
18 Monaten etwa 1500 Menschen mehr versorgt als vorher." Der Geschäftsführer
geht davon aus, dass im Klinikum ab 2010 auch Hals-Nasen-Ohren-Patienten
stationär behandelt werden können.
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